Ihr Herz schlägt für die U5
Planung ist schön, Ausführung ist besser. Das, was rund um die Nordheimstraße gerade passiert, ist daher ganz nach ihrem Geschmack. Projektleiterin Alexandra Reinecke von der U5 HOCHBAHN Projekt GmbH liebt es, wenn sie draußen auf der Baustelle für die U5-Haltestelle Barmbek Nord ist. „Es ist einfach faszinierend zu sehen, wenn die Schlitzwand zum Vorschein kommt.“ Und das passiert entlang der Nordheimstraße gerade jeden Tag.
Nachdem die Schlitzwandarbeiten entlang der rund 175 Meter langen Baugrube mit den beiden „Öhrchen“ abgeschlossen sind und die Grube größtenteils mit Betonelementen gedeckelt wurde, graben sich seit Wochen die Bagger in die Tiefe. Dabei legen sie eben jene Schlitzwände frei, die zuvor Meter für Meter im Erdreich betoniert wurden, für die stabile und sichere Umrandung der Baugrube.
Für das Ausheben der Grube werden an einzelnen Stellen die Betonelemente entfernt, damit die Bagger das Erdreich ans Tageslicht befördern können. Wenn unten genug Platz ist, werden wiederum kleine Bagger in die Grube gehoben, um dort unten die Erde aus allen Ecken zusammenzuschieben. So kann auch unter den Betonabdeckungen gegraben werden, ohne dass diese dafür weggehoben werden müssen. Ganz schön praktisch, denn so kann oberirdisch der Verkehr in beiden Richtungen an der Baustelle dauerhaft vorbeiführen.
„Unter den Platten entsteht eine Kathedrale“, beschreibt Reinecke ihren Eindruck, wenn sie in der Baugrube steht. Das Herz der Bauingenieurin schlägt eindeutig für die Bauausführung, also die Projektphase, in der die Planung in die Tat umgesetzt wird. „Dann sieht man, wie das Form und Kontur annimmt, was zuvor nur auf Plänen existierte.“
Am spannendsten für sie dabei: Wenn die Baugrube hergestellt wird. „Weil diese die größten Überraschungen birgt“, erklärt Alexandra Reinecke. Dank Vorerkundungen wie etwa Probebohrungen sammele man im Vorhinein wichtige Erkenntnisse über die Beschaffenheit des Bodens, aber so richtig wisse man erst beim Ausbaggern, was einen in der Tiefe erwartet. Bislang habe es zwar bis auf kleinere Findlinge noch keine Überraschungen gegeben, aber wer weiß, die 37-Jährige ist jederzeit bereit für neue Herausforderungen.
Das zeigte sich bereits früh im Leben der gebürtigen Hamburgerin, die an der Hafen City Universität Bauingenieurwesen studierte und bei der HOCHBAHN zuvor im Bereich barrierefreier Ausbau arbeitete. Schon als Kind war sie lieber draußen, kletterte auf Bäume und buddelte in der Sandkiste. Reinecke ist eher Team Abenteuer als Team Schreibtisch.
Wobei es für das Abenteuer phasenweise auch den Schreibtisch braucht. Von Beginn an war Alexandra Reinecke bei der Planung der U5 dabei. Heute arbeitet sie als eine der wenigen Projektleiterinnen bei der HOCHBAHN U5 Projekt GmbH, in der Bauausführung ist sie aktuell sogar die einzige. Da komme es schon oft vor, dass sie die einzige Frau in der Baubesprechung sei.
Ob das im Arbeitsalltag ein Thema ist? „Klar, am Anfang muss man sich erstmal beschnuppern, mit wem man es so zu tun hat. Aber wenn die Männer mitbekommen haben, dass ich weiß, wovon ich rede, ist das ganz schnell gar kein Thema mehr“, stellt sie unmissverständlich klar. Und Klarheit beschreibt die Frau, die an der U5 mitbaut, ganz treffend.
Apropos Bauen. Das bedeutet an der Nordheimstraße von Beginn an, dass die U5-Haltestelle entsteht, während parallel täglich bis zu 40.000 Fahrzeuge an der Baugrube vorbeifahren. Gar keine Frage, dass diese Herausforderung des halbseitigen Bauens Alexandra Reinecke besonders reizt.
Spannend dabei: Jetzt wurde die Verkehrsführung angepasst. Zuvor wurden beide Spuren direkt nebeneinander geführt, nun wurden sie gesplittet: Stadtauswärts verlaufen die Spuren südlich der Baugrube, Richtung City Nord nördlich davon. Damit wird das Baufeld zwischen den Fahrspuren vergrößert, sodass die Bauleute mehr Fläche zum Arbeiten haben, Baumaschinen flexibler bewegt werden können und damit insgesamt der Bauablauf optimiert wird.
Aktuell werden die Baugruben bis auf etwa elf Meter Tiefe ausgebaggert. Dies erfolgt als Trockenaushub. Danach wird die zweite Lage an Aussteifungen zwischen den Baugrubenwände eingebaut, damit die Grube zusätzlich stabilisiert wird und das weitere Ausbaggern – abschließend als Nassaushub – bis auf die finale Tiefe von rund 27 Metern erfolgen kann. Im Anschluss wird dann die Unterwasserbetonsohle errichtet.
Am Ende steht eine fertige Baugrube, welche die Tunnelbohrmaschine durchqueren wird. Denn während die U5 von der City Nord bis zum Startschacht östlich der Haltestelle Sengelmannstraße offen gebaut wird, kommt für den Bau des Tunnels auf der restlichen Strecke bis nach Bramfeld eine Tunnelbohrmaschine zum Einsatz. Lediglich die späteren Haltestellen und Notausgänge werden hier offen gebaut. Sobald der Tunnelbohrer die Baugrube unter der Nordheimstraße erreicht, wird die Maschine hindurchgezogen und der Tunnelvortrieb am anderen Ende in Richtung Steilshoop fortgesetzt. Dann erst beginnt der Roh- und Innenausbau der Haltestelle.
Fragt man Alexandra Reinecke, ob sie Stolz empfindet, an diesem Jahrhundertbauwerk mitzuwirken, findet sie auch dafür klare Worte: „Stolz ist das falsche Wort. Es ist eher die Tatsache, dass du mit deiner Arbeit etwas bewegst für die Stadt. Etwas, was uns in Zukunft alle voranbringt.“
Die U5-Haltestelle an der Nordheimstraße ist aktuell ihre erste „U5-Baustelle“, aber wer weiß, an welchem Stück der U5 man die junge Frau in Zukunft wiedertreffen wird.
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Kommentare
Spannende Einblicke! Für…
Spannende Einblicke! Für mich ist noch schwer greifbar wie die Dimensionen davon sind. Wie viele LKWs Erde werden dort aktuell pro Tag ausgehoben? Wie viele sind es bis der Trockenaushub abgeschlossen ist und wie lange dauert das? Wie lange dauert anschließend der Nassaushub bis der Rohbau bereit für die Tunnelbohrmaschine ist?
Fakten zur Baugrube Barmbek Nord
Guten Tag!
Vielen Dank für Ihren Beitrag, das freut uns. In Abhängigkeit der aktuellen Randbedingungen auf der Baustelle sind im aktuellen Trockenaushub etwa fünf bis zehn LKW umlaufend im Einsatz, um den anstehenden Boden abzutransportieren. Der gesamte Trockenaushub beläuft sich auf ca. 90.000 Kubikmeter Boden. Die Baugrube soll gemäß aktueller Planung voraussichtlich Anfang 2028 fertig hergestellt sein, damit im Anschluss die Tunnelbohrmaschine durch die Baugrube gezogen werden kann.
Schöner Bericht und schöne Bilder
Ein toller Bericht mit beeindruckenden Bildern. Toll an so einem Projekt mitarbeiten zu dürfen.
Aktueller Stand
Auch ich bin von dem Bericht total begeistert. Die Dimensionen sind unglaublich.
Was ich immer noch mal wissen möchte, was passiert mit all den Aussteifungen und Stützen, wenn die Tunnelbohrmaschine durch die Baugrube gezogen wird? Bleiben die bis zur zweiten Lage an Aussteifungen stehen und geht die Maschine darunter durch?
Tunnelbohrmaschine und Aussteifungen
Hallo Herr Kahnt,
es freut uns, dass Ihnen der Beitrag gefällt. Während die Tunnelbohrmaschine durch die Längsmitte der Baugrube gezogen wird, werden die Stützen und die Aussteifungen bestehen bleiben.
Bauablauf
Ich habe den Bauablauf immer noch nicht ganz genau verstanden.
Vor Beginn der Baugrube werden die Schlitzwände und die in den Bildern sichtbaren Interimsstützen bis zur Sohle, d.h. bis ca. minus 30 m erstellt. Dann wird soweit gebaggert, dass man die oberste Aussteifungslage auf dem Boden herstellen kann. Dann dann wird die Baugrube mit der Zwischenlage als Unterstützung abgedeckelt und man arbeitet sektionsweise von oben oder unterhalb der Deckel weiter. Das wiederholt sich dann mit jeder neuen Zwischenlage. Aber wann und wie werden dann die Zwischenstützen gekappt? Die tragen doch den Deckel? Das würde mich interessieren. Danke im Voraus
Bau der U5-Haltestelle Barmbek Nord
Hallo Jörn, vielen Dank für Ihre Frage.
Im Zuge des späteren Haltestellenbaus, wenn Boden, Decken und Wände errichtet werden, werden die Elemente der Baugrube sukzessive durch die finalen Bauteile ersetzt.
Für Zwischenzustände werden ebenfalls Hilfssteifen zum Einsatz kommen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Lasten, die auf das Bauwerk wirken, dauerhaft und durchgängig abgeleitet werden können.
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