Die U4 ist seine Linie
2003 ist Dirk Göhring, Gesamtprojektleiter der U4 Horner Geest, für Hamburgs vierte U-Bahn-Linie an die Elbe gekommen. Zuerst hat er die neue Linie in die HafenCity gebaut, seit 2019 arbeitet der gebürtige Kölner mit seinem Team an der U4 Horner Geest. Was 2025 auf der Horner Geest geschafft wurde, was das U4-Team 2026 anpackt und wo es danach für ihn weitergeht.
Über welchen Baufortschritt des vergangenen Jahres haben Sie sich am meisten gefreut?
2025 haben wir als Team wieder wichtige Meilensteine geschafft. Im Frühjahr wurde das U2/U4-Kreuzungsbauwerk fertiggestellt, sodass die Züge wieder Richtung Billstedt fahren konnten. Damit haben wir auch den ersten Bauabschnitt abgeschlossen. Ein besonderer Meilenstein war auch das Richtfest für die U4-Haltestelle Horner Geest. Aber die schönste Meldung kam für mich kurz vor Weihnachten.
Welche war das?
Kurz vor Weihnachten war klar, dass auch die letzten Baugruben in der Manshardtstraße dicht sind. Wir wussten im Vorfeld, dass der Baugrund auf der Horner Geest schwierig wird. Es gibt dort wenig Geschiebemergel und relativ viel Sand, der Wasser führt. Entsprechend war es eine große Herausforderung, diesen Boden durch künstliche Dichtsohlen in den Griff zu bekommen. Das war nicht immer einfach, aber am Ende haben wir es geschafft.
Was steht in diesem Jahr auf der U4-Baustelle an?
Dieses Jahr arbeitet das U4-Team wieder parallel an allen Ecken und Enden der U4-Verlängerung. Ganz im Westen laufen die Arbeiten am Lückenschluss im Bereich Sandkamp/Hermannstal (Foto). Dort fordert uns vor allem das Erstellen der Baugrube heraus. Nach dem Abbruch des Telekomgebäudes und dem schwierigen Baugrund, den es auch hier abzudichten gilt, müssen wir aus der Erde noch einen großen alten Abwasserschacht bergen, bevor wir im zweiten Quartal mit dem Rohbau des U4-Tunnels zwischen Kreuzungsbauwerk und Manshardtstraße beginnen.
Wie sieht es im restlichen Streckenabschnitt aus?
Ein wichtiger Meilenstein in diesem Jahr wird der Start des Gleisbaus sein. Anfang Februar beginnen wir mit dem Einheben des Materials durch die Gleisbauöffnung in Höhe der Speckenreye. Von dort arbeiten sich die Gleisbauer die Manshardtstraße Richtung Osten voran.
Ebenfalls zu Beginn des Jahres wird der Rohbau der Haltestelle Stoltenstraße stehen, damit anschließend auch hier der Innenausbau und der technische Ausbau starten kann. Im März sollen dort schon die Fahrtreppen eingebaut werden. Für die Haltestelle Horner Geest laufen diese Arbeiten bereits seit ein paar Monaten. Hier wird schon an der Wiederherstellung der Oberfläche vor dem EKZ (Foto) gearbeitet.
Besonders wichtig wird auch ein Meilenstein im Herbst. Dann soll der Rohbau entlang der gesamten U4-Verlängerung stehen – vom Sandkamp bis zur Kehr- und Abstellanlage östlich der Dannerallee (Foto). Anschließend werden auch dort Gleise verlegt und findet der Innenausbau statt.
Das heißt, das U4-Projekt befindet sich im Endspurt?
Endspurt würde ich das noch nicht nennen, immerhin haben wir bis Herbst 2027 noch viel vor uns, aber klar, wir haben schon viel geschafft und arbeiten auch in diesem Jahr wieder mit Hochdruck am Baufortschritt. Und das ist nur möglich, weil so viele an diesem Projekt mitwirken, ob alle Gewerke, die täglich auf der Baustelle arbeiten oder die Kolleginnen und Kollegen im Bereich Ausschreibung, der Planung und bei den Bauüberwachern – das funktioniert nur, weil wir als Team so gut zusammenarbeiten. Nur mal zur Einordnung: Allein 30 verschiedene Firmen arbeiten daran, dass die Haltestellen mit der notwendigen Technik ausgerüstet werden.
Sind die Arbeiten im Zeitplan?
Ja, wir liegen voll im Zeitplan.
Büro oder Baustelle – was macht Ihnen mehr Spaß?
Mein Herz schlägt ganz klar für die Ausführung, deswegen will ich auch immer nah an der Baustelle sein. Vor Ort zu sehen, wie das entsteht, was man vor Jahren geplant hat, ist einfach großartig.
Warum sind Sie Bauingenieur geworden?
Bei meinem technischen Interesse war mir schon früh klar, dass ich mal Ingenieur werden möchte. Dass ich als Bauingenieur Bauwerke planen und erstellen kann und auch an der Entwicklung von Infrastruktur und Stadtteilen mitwirken kann, hat mich besonderes gereizt.
Sie haben bereits die U4 in die HafenCity gebaut und in Betrieb genommen. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie heute mit der U4 dort entlangfahren?
Ich erinnere mich noch gut an die Bauzeit in der HafenCity und staune selbst immer wieder, was sich in den Jahren dort verändert hat. Wenn ich heute mit der U-Bahn durch den Tunnel fahre, kommen Erinnerungen an die tiefen Baugruben der Notausstiege mit Bodenvereisung und die vielen zu Fuß zurückgelegten Kilometer im Tunnel zur Tunnelbohrmaschine sowie Herausforderungen bei der Querung des Magdeburger Hafens zurück.
Im Herbst 2027 soll die U4 Horner Geest fertig sein – wie geht es danach für Sie weiter?
Ich werde der U4 treu bleiben. Während sich die U4 auf der Horner Geest noch im Bau befindet, bin ich parallel schon mit der U4-Verlängerung auf den Grasbrook beschäftigt. Das Projekt befindet sich aktuell im Planfeststellungsverfahren. Ich freue mich schon, dort mit meinem Team weiterzumachen, wo wir 2018 mit der Eröffnung der U4-Haltestelle Elbbrücken aufgehört haben.
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Kommentare
Danke Herr Goehring an Sie…
Danke Herr Goehring an Sie und Ihre Kolleg:innen, dass Sie die Mobilitätswende in Hamburg weiter voranbringen. Viel Erfolg beim "Rest" der U4 bis zur Horner Geest und einen schnellen Baubeginn am südlichen Ende der U4 - Wilhelmsburg und Co warten sehnsüchtig auf die U4
Die 800 gesunden Platanen aber mussten sterben!
Hört sich ja alles recht gut an, aber etliches haben Sie nicht gut geplant: Sie haben keinen Schildvortrieb an der Horner Geest gewählt, sondern offenen Tunnelbau und 800 Platanen dem Tod preisgegeben!
Sie haben eine chaotische Zwei-Bahnsteig-Lösung an der Horner Rennbahn gewählt.
Sie haben Horner Rennbahn Zwischen-Ebenen mit Fahrkarten-Automaten ohne Aufzug-Halt für Rollstuhl-Fahrer gebaut, sodass diese keine Fahrkarten kaufen können.
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